Hermelin – Tüdelüt 12″ EP

Hermelin stellen mich mit Tüdelüt vor eine größere Aufgabe, denn die Sache ist nicht einfach kurz abgehört und weggeschrieben. Weit ab von üblichen Songstrukturen und Worthülsen findet das instrumentale Werk der Hannoveraner statt. Das funktioniert sogar in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Doch dazu erst später mehr.

Zunächst fällt bei der Platte die Coverkunst auf. Cris aus Hannover zaubert ein paar Wahrzeichen der Stadt auf die Frontseite, und irgendwie haben die ganzen kleinen Monster Angst vor dem großen Hermelin, das wiederum die Platte mitsamt dem gerade beschrieben Plattencover in der Hand hält. Abgefahren und extrem gut gemacht. Auf der anderen Seite ein identisches Muster: das Hermelin betrachtet die Rückseite, auf der sich die Rückseite befindet – und immer wieder wiederholt sich diese Sache. Das schwarze Vinyl hat dann noch Labelaufkleber auf A und B Seite, deren Beschreibung mich rot werden lassen würde. Seht lieber selbst 🙂

Hermelin kommen ohne Worte aus. Die Hannoveraner Band vermeidet es dabei, sich mit Tüdellüt in irgendeine mir bekannte Schublade stecken zu lassen: Häuser werden aus Melodien gebaut, in bester Plattencover-Manier ineinander verwoben und letztlich, ohne mit der Wimper zu zucken, wieder eingerissen. Dann fangen wir von vorne an. Das Ganze dann vier Mal in insgesamt 21 Minuten – jenseits bekannter Songstrukturen à Strophe, Refrain, Strophe, Refrain. In dieser Zeit begegnen wir Rampenpfau, Rackeldackel und Raketenheinz. Einzig der Knuffelschock fällt etwas aus der Reihe, was die Namensgebung der Songs angeht.

Die Reise durch die vier Stücke kommt mir vor wie ein Perspektivwechsel in der Geschichte des Plattencovers. Hermelin will nur spielen und streift voller Freude durch die Stadt – diese aber verfällt in Panik und Tumult. Wenn ihr also nicht zwingend eine Stimme in Songs benötigt und euch gerne tief in Musik hineinkniet, dann zieht euch diese Platte. Ihr werdet eure Freude daran haben.

Die Veröffentlichung der Platte am 1. April war das erste Release des Hannoveraner Labels Dunkelziffer Records, entstanden in Zusammenarbeit mit Pain of Mind und Spin The Black Circle Records. Sie ist in den Label-Shops für 10€ zu haben.

Ach ja, die anfänglich erwähnte Geschichte mit der Geschwindigkeit: die größere Aufgabe bestand nicht nur darin, mich in die Musik zu knien. Anscheinend war ich von den Label-Aufklebern auf der Platte so irritiert, dass ich die Geschwindigkeitsangabe von 45rpm übersehen habe. Mein erster Durchlauf durch die A-Seite von Tüdelüt lief also in 33rpm. Mir ist das überhaupt nicht aufgefallen, bis ich die Platte gedreht habe. Ist das normal, dass Musik in zwei Geschwindigkeit gut funktioniert? Wem ist das noch passiert? Gebt es zu!

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