Torres – Sprinter 12″

Es folgt ein Gastbeitrag unseres Lesers Flo:

Torres ist das Pseudonym der 25-jährigen Mackenzie Scott und stammt aus den Vereinigten Staaten, genauer gesagt aus Nashville, und kombiniert Alternative Rock und sanfte Shoegaze Wogen mit Grunge. Dies ist erst einmal verwunderlich, stammen doch aus dieser und benachbarten Städten die schwülstigsten und süßlichsten Melodien rund um Liebe, Sonne und eine heile Welt. Doch Torres spricht und fühlt sich nicht auf diesen Pfaden beheimatet, strahlt sie einen eher eigenwilligen Charme aus, ähnlich der Alternative-Rock Institution PJ Harvey. Vergleiche zu Shirley Manson und Garbage stehen ebenso im Raum und wenn Adrian Utley von Portishead seine Finger mit im Spiel hat, dürfte hier ein Album vorliegen, das jeden aufhorchen lassen müsste, der sich auch nur im Entferntesten mit Gitarren-lastiger Musik identifiziert.

Auf 45-Minuten zeigt Torres sämtliche Facetten ihres Innenlebens und lässt Melancholie („The Harshest Light“) in Verletzbarkeit münden („Ferris Wheel“), das Gefühl des Alleinseins, um auf der anderen Seite herauszukommen und wütend die Faust zu erheben – bereit sich selbst und alles drumherum aufzuarbeiten und sich selbst einen Ausweg aufzuzeigen („New Skin“, „Strange Hellos“). Introvertiert („A Proper Polished Welcome“) jongliert Torres hier mit leichten Ambient und Shoegaze Einsprengseln, setzt diese aber gekonnt in den Hintergrund und lässt nur sich und ihre Stimme sprechen…„Heavy hands, she moves/slowly, steadily…“

Konstant hält Mackenzie das Niveau hoch und ein Spannungsbogen entsteht dadurch, dass sich die verschiedenen Elemente, die sie in ihren Songs präsentieren, dennoch so anfühlen, wie aus einem Guss („Son You are no Island“). Gerade durch die laut/leise-Dynamiken hängt „Sprinter“ ein Gefühl des Aufbruchs an, etwas dass man so von einer jungen Dame, die zeitgleich auch noch Gitarre spielt, nicht erwarten würde.

back-cover

Zurzeit gibt es „Sprinter“ für 20 Euro auf 180g Vinyl im einfachen 12“ Format, der zum Glück aber ein Download Code beigefügt wurde. Die Schallplatte an sich ist in einem bedruckten Innersleeve untergebracht, auf denen sich die Texte, Credits und die Musiker abgedruckt finden. Das Vinyl selbst kam ohne Grate an und das Innenloch war weder zu eng noch zu groß. Traurigerweise waren Presswerkrückstände auf beiden Seiten vorhanden und das Vinyl bedurfte einer Reinigung. Danach hörte man auf beiden Seiten kein Knacksen, Ploppen oder andere Nebengeräusche. Die Produtkion ist sehr angenehm und transparent. Jedes Element erhält den Raum, den es benötigt.

Fazit:

Alternative/Indie Hörer, aber solche, die gerne aus Ihrer Komfortzone ausbrechen und sich aufschwingen Neues zu entdecken, könnten sich in der Gefahr befinden, hier ein Album auf dem Teller serviert zu bekommen, das nicht unmittelbar zündet, aber in Langzeitwirkung seine vollkommene Schönheit offenbart. „Sprinter“ gelingt der Spagat, um ein gutes Album zu einem überragenden Album werden zu lassen. Dass die mitwirkenden ihre eigene Sichtweise und vor allem ihre Begabung haben mit einfließen lassen, erkennt man an dem Sprung von dem Debüt Album zu „Sprinter“ und wartet nun auf einen Nachfolger.

vinyl-playing

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