Gregory Porter – Take Me To The Alley 12″ LP

Gregory Porter, der Typ mit dem Schlauchschal und der Ballonmütze, ist mittlerweile längst kein Geheimtipp mehr und schreitet mit seinem neuen Album Take Me To The Alley immer mehr in Richtung Jazz-Pop. Seinen internationalen Durchbruch und somit auch meine Aufmerksamkeit erlangte der Ex-Footballer mit seinem Vorgänger Liquid Spirit im Jahr 2013. Auch heute noch findet sich der Titelsong in der ein oder anderen Playlist bei mir wieder. Seine Erstlingswerke Water(2011) und Be Good(2012) sind sicherlich auch interessant, jedoch für Genreneulinge etwas sperrig.

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Genreneuling ist auch die Vokabel, die auf mich zutrifft. Mit Jazz habe ich eigentlich nicht viel am Hut. Anstrengend,kompliziert, wirr, ungerade und tüddelidu. Das sind Adjektive, die mir direkt zu Jazz einfallen. Take Me To The Alley bedient sich all dieser Adjektive nicht wirklich und vermittelt mir sogar teilweise das Gegenteil.
Geschmeidiger, warmer Sound, größtenteils entspannte Atmosphäre, überwiegend langsames Tempo, gradlinige Songstrukturen. Hoppla. Reden wir hier noch von Jazz?
Die Instrumente werden punktgenau eingesetzt und spielen keinen Ton zu viel. Die Bläser bekommen natürlich auch ihre Solopassagen. Diese dauern ungefähr genau so lange, dass sie nicht nerven.
Ach und da wäre noch etwas: Die Baritonstimme von Gregory Porter. Wahnsinn. Von kraftvoll bis gefühlvoll um den kleinen Finger wickeln ist alles dabei. Er gibt dieser Art von Musik das gewisse Etwas. Besonders schön und zum dahinschmelzen sind die zwei Duett Stücke Don´t Be A Fool und der Titelsong Take Me To The Alley, bei denen die Stimme von Alicia Olatuja ergänzend das Klangbild füllt.
Etwas schwungvoller geht es bei Don´t Lose Your Steam, French African Queen und Fan The Flames zu, wobei Letzterer durch seine ausgeprägten „Tüddelidu´s“ schon eher an die ersten beiden Alben Porters erinnert.

Inhaltlich geht es bei Take Me To The Alley viel um menschliche Beziehungen, Nächstenliebe und Familie. So handeln die Songs More Than A Woman und In Heaven von seiner bereits verstorbenen Mutter Ruth, während Don´t Lose Your Steam und Day Dream seinem Sohn gewidmet sind.

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Für die rund 26€, die man zur Zeit für die Doppel LP ausgibt bekommt man zwei schwarze 180g Vinyl, die sich in einem schönen Gatefold Cover befinden. Klappt man das Cover auf, sieht man ein paar Fotos vom Aufnahmeprozess und die üblichen Albumcredits. Die Innenhüllen sind in schlichtem weiß gehalten, stabil und mit Texten versehen. Also steht dem gemütlichen Zurücklehnen und Texte mitlesen nichts mehr im Weg. Abzüge gibt es auf Grund des nicht vorhandenen Download Codes.

Fazit:
Für eingefleischte Hardcore Freejazzer ist Take Me To The Alley vielleicht etwas zu poppig. Genreneulinge, die einen leichten Einstieg in die oft komplizierte Welt des Jazz wagen wollen, werden sanft von Gregory Porter abgeholt und nicht im ersten Moment verschreckt. Zumindest erging es mir so.

8/10

unbedingt anspielen: Don´t Lose Your Steam, More Than A Woman, Day Dream.

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