Freiburg – Brief & Siegel 12″ LP

Text und Fotos von matthes

Foto 3Die neue Freiburg Platte hat bisher ordentlich Lob eingefahren. Laut der Fachpresse ist Brief & Siegel (TCM Records) der neue Stern am Studentenpunk-Himmel. Aber lest selbst:

„Das kompromissloseste Punk-Album des Jahres: Hardcore und Emo gehen auf dem dritten Album der Westfalen eine unheilige Ehe ein.“ – Musikexpress

 „Ich habe lange keine Bestnoten mehr vergeben. 6, 7, 8 Punkte – okay. […]TURBOSTAAT, FRAU POTZ, PASCOW, DÜSSENJÄGER, KOETER,… spätestens jetzt spielen FREIBURG mit, in der Champions League des deutschen Studentenpunks.“ – Allschools

„Freiburg beweisen: Für eine großartige Platte muss man Punk nicht neu erfinden. Man muss es einfach nur draufhaben, und zwar richtig.“ – Intro

Wozu dann also noch ein weiteres Review???

Ehrlich gesagt bin ich ein wenig skeptisch… Die beiden vorigen Freiburg-Alben (High 5 Zukunft und Aufbruch) fand ich zwar amtlich, aber sie haben mich auch nicht völlig umgehauen. Daher habe ich die Band auch eher im Fahrwasser der etablierten Branchengrößen wahrgenommen. Auch stell ich mir die Frage, ob es dieser Tage wirklich noch an einer weiteren Emopunk-Platte hanseatischer Couleur fehlt?

Die Platte läuft im Hintergrund und meine Antwort lautet: Scheißegal, ob es daran fehlt oder nicht! Freiburg liefern auf Brief & Siegel zehn kernige Argumente dafür ab, dass man Punkrock nicht neu erfinden muss, um ne geile Platte zu machen. Huch, klingt ja fast wie die Intro… dann gehe ich mal in diesem sichern Hafen vor Anker.

Es ist nicht zu überhören, dass hier textlich und musikalisch eine ordentliche Schippe draufgelegt wurde. Während der 26 Minuten findet sich kein schwacher Song. Mit dem vorab als Video veröffentlichten Track Kanüle Abwärts haben Freiburg zudem nen echten Knüller raus gehauen. Geil, wie hier die zwei Stimmen über das Riff ballern!

Ein Land, eine Sense und Abwärts! 

Foto 1-1Richtig stark auch, wenn die beiden Stimmen mal gemeinsam losbrettern (Ihre Narben) oder Herrn Neumann (Düsenjäger) sich die Ehre für nen Gastauftritt gibt (Sommer, Roggen und Er). Dazu kommt ein cooles Artwork und aufwendig gestaltetes Booklet. Trotzdem schleicht sich hier und da der Gedanke ein, Brief &Siegel sei eine bisher unveröffentlichte Turbostaat-Platte, die irgendwann zwischen Vorman Leiss und dem Island Manöver eingespielt worden sein muss. Beim Track Unter der Mühle musste ich mich dann wirklich kurz vergewissern, welche Platte ich da eigentlich aufgelegt habe. Der Forschungsstand in Sachen emotional Deutschpunk der letzten zehn Jahre wurde hier scheinbar akribisch aufgearbeitet. Aber das geht völlig in Ordnung! Schließlich kann man sich schlechtere Einflüsse suchen, als Turbostaat – und auch deren typischen Sound hätte es so wohl nicht ohne den Dunstkreis um Jens Rachut und Konsorten gegeben. Gar nicht so einfach, nicht in die Schublade gesteckt zu werden, auch wenn Freiburg es schaffen, ihren eigenen Stil durchzudrücken.
Ob Brief & Siegel eines Tages zusammen mit so wichtigen Alben wie Bordsteinkantengeschichten, Vormann Leiss oder Alles muss kaputt sein genannt werden kann, muss man mal abwarten. Aber aus meiner Sicht das (bisher) stärkste Material der Band und nen feines Ding aus dem Hause TCM Records.

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