Herrenmagazin – Sippenhaft 12″ LP (+ Bonus 7″)

Herrenmagazin ist ein bisschen so wie Spinat. Entweder man mag ihn oder nicht. Auf die Hamburger Band mit dem komischen Namen bin ich das erste Mal im Dunstkreis von Schrottgrenze und Junges Glueck aufmerksam geworden. Mit ihrem 2008er Debut „Atzelgift“ lieferten sie schön aufgeräumten, melodiösen Indie-Rock, der gleichzeitig die Grenzen zum Punk und Pop auszuloten versuchte. Außerdem sind mir als Textmuffel ein paar Satzfetzen im Kopf hängengeblieben und für gut befunden worden.

„Sippenhaft“ ist das mittlerweile vierte Album, jedoch das Erste bei ihrer neuen Bleibe Grand Hotel van Cleef. Eins steht fest: Man ist der Grenze zum Pop nicht nur Nahe gekommen, man hat sie überschritten. Ob das gut ist? Spinat. Ich finde es erstmal  gut, mit Bedenken.

Gut finde ich nach wie vor die Stimme von Deniz Jaspersen. Sehr anziehend, klar und deutlich. Da hör ich gern zu. An den richtigen Stellen gibt es auch die passenden Backgrounds. Schön.
Der Opener „Ehrenwort“ zum dem jüngst auch ein Video veröffentlicht wurde ist mein Sorgenkind. Er verkörpert für mich die Popisierung (Das Wort habe ich erfunden und es gehört mir) der Band. Eine Midtempo Ballade mit Klavier und Streichern, die den Einstieg in das Album erleichtert. Perfekt für Neuhörer, die die Scheibe spontan beim Mediamarkt mitnehmen. Es könnte ein Radiohit werden. Es könnte das Pendant zu Jupiter Jones‘ „Still“ werden. Dabei ist der Song gar nicht schlecht. Ach ich weiß nicht. Spinat.

Zwei Songs später mein Favorit. „Alles so bekannt“ hat Rotz, gutes Tempo und wirkt mit seinen Gesangsharmonien am Anfang etwas mysteriös. Außerdem beinhaltet der Song das lustige Wort „reüssieren“.

Danach wird man mit dem schleppenden, minimalistischen Titelsong „Sippenhaft“ wieder runtergeholt. Dieses Konzept wird im Verlauf des Albums beibehalten. Auf und ab. Ich muss mich mit dem Gedanken anfreunden, dass Herrenmagazin mit der Zeit immer facettenreicher und experimentierfreudiger geworden sind. Warum auch nicht?

Zur Aufmachung: Für seine 19,- Euro kriegt man einiges geboten. Zum eigentlichen Album, welches in einem Herrenmagazin typischen, biederen Design daherkommt, gesellt sich eine auf 500 Stück limitierte Bonus 7″, die den Namen „Gemüse“ trägt. Das Besondere ist, dass jedes dieser 7″ Exemplare ein anderes, selbstgestaltetes Cover besitzt. Teilweise von Fans, teilweise von der Band selbst kreiert. Ich habe Nummer 133 erwischt, ein Spielblatt einer Runde „Stadt-Land-Fluss“.
Schön finde ich, dass ein kleines Textbooklet beiliegt. Ist mir immer sehr wichtig! Downloadcode ist auch dabei. Super. Und als besonderes kleines Gimmick rutscht als letztes noch ein Herrenmagazin-Brillenputztuch aus der Hülle. Kommt grad im richtigen Moment, da sich mein altes Brillenputztuch mittlerweile in ein Brillenschmutztuch verwandelt hat. Die Band hat also an alles gedacht.

Fazit:

Die ersten zwei Durchläufe waren ungewohnt. Viele werden dieses Album zu poppig finden. Ich habe das Gefühl, dass auch die ruhigeren Songs nach ein paar Höreinheiten ihren Platz in meinem Geschmacksverständnis finden. Ein endgültiges Urteil möchte ich mir noch nicht erlauben, dafür ist das Teil noch zu frisch. Ich bin gespannt was Andere über das Album schreiben. Preis/Leistung stimmt in jedem Fall!

Gesamtwertung: 6-8/10

unbedingt reinhören: Alles so bekannt, Wir bluten aus, Halbes Herz

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